Bevor wir Ihnen ein bisschen über Slowfood erzählen, eine kleine persönliche Anekdote: Wir von Gourmistas haben Slowfood etwas ganz Besonderes zu verdanken: Die Zusammenarbeit mit Manuel Reheis. Wir hatten im Mai 2016 auf dem Slowfood-Frühlingsfest in München einen Stand und plötzlich stand Manuel Reheis vor uns. Zwar kannten wir ihn als Küchenchefs einer unserer Lieblingsrestaurants, dem Broeding in München, hatten aber vorher noch nie mit ihm gesprochen. Er war einfach neugierig auf unsere Produkte – probierte sie, war begeistert und begeistert jetzt unsere Kunden mit immer neuen Kreationen – mit Produkten, die natürlich dem Slow Food Gedanken entsprechen.

Piazza NavonaKein Fast-Food an der Piazza Navona!

Und damit zur Slow-Food-Bewegung, die von Carlo Petrini, einem italienischen Publizisten gegründet wurde. Als 1986 auf der wunderschönen von antiken Gebäuden umgebenen Piazza Navona in Rom ein McDonalds eröffnete, hatte er genug. Spontan organisierte er ein öffentliches Spaghetti Essen an der Spanischen Treppe. Und beschloss, dass man dem Trend des Fast Food etwas entgegensetzen müsse. 1989 wurde Slow Food gegründet, eine inzwischen internationale, mitgliedergestützte Organisation mit über 100 000 Mitgliedern die in über 1500 lokalen Gruppen, sogenannten Convivien tätig sind. Nicht nur Menschen aus dem Lebensmittelbereich sondern auch Privatpersonen können sich hier informieren und engagieren.

SchweineDer Grundsatz: Gut, sauber, fair!

Slow Food steht für gesunde Ernährung und bewusstes Genießen regionaler Lebensmittel. Slow Food unterstreicht den Gedanken des guten Geschmacks bei bewusster Ernährung.

Slowfood setzt sich dafür ein, dass Lebensmittel diesen drei Grundsätze entsprechen.

Gut: wohlschmeckend, nahrhaft, frisch, gesundheitlich einwandfrei, die Sinne anregend und befriedigend.

Sauber: hergestellt, ohne die Ressourcen der Erde, die Ökosysteme oder die Umwelt zu belasten und ohne Schaden an Mensch, Natur oder Tier zu verursachen.

Fair: die soziale Gerechtigkeit achtend, mit angemessener Bezahlung und fairen Bedingungen für alle — von der Herstellung über den Handel bis hin zum Verzehr.

Denkt man einmal wirklich über diese drei Grundsätze nach, wird schnell deutlich, dass wir dreimal am Tag, nämlich bei jeder Mahlzeit, nicht nur mit Lebensmitteln beschäftigen sondern mit Themen, die viel weitreichendere Konsequenzen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Wissen, Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt haben.

birne_288_6Vom guten Geschmack

Beruhend auf diesen Kriterien ist guter Geschmack, der wortwörtlich genommen ebenfalls eine große Rolle in der Slow-Food Bewegung spielt irgendwie auch im übertragenen Sinn wichtig. Tiere, die eingepfercht dahinsiechen, Lebensmittel die chemikalisch überlastet werden und Menschen, die unter unfairen Bedingungen in der Lebensmittelproduktion arbeiten, sind eben alles andere als „guter Geschmack.“

Doch bei Slow Food steht der Genuss ebenso im Vordergrund. Tatsächlich ergeben aber die drei Grundsätze „gut“, „sauber“ und „fair“ fast immer auch den besten Geschmack –was jeder weiß, der schon mal eigene Tomaten gezogen hat.

Von Tafelrunden und Salons

In den einzelnen Regionen ist Slow Food in den sogenannten Convivien tätig. Das Wort Convivium stammt aus dem Lateinischen und bedeutet nichts anderes als Tafelrunde. So wird schon deutlich: Bei allem politischen Engagement geht es eben auch um den gemeinsamen Genuss. Auch Gründer Carlo Petrini nannte die erste – und immer noch stattfindende Slow Food Messe in Turin „Salone del Gusto“, den Salon des Geschmacks. Und wer einmal in Deutschland die Slow Food Messe in Stuttgart, den „Markt des guten Geschmacks“ besucht hat, der weiß, dass es dort vor allem um den Genuss geht – aber eben um Genuss mit Bewusstsein für die Umwelt.

SF_05_17_Titel.inddSlow Food Deutschland publiziert mittlerweile nicht nur ein interessantes Print-Magazin, das über den Verband und im Zeitschriftenhandel zu erhalten ist. Die Slow Food Akademie ist ein interaktives Trainingsprogramm, das jungen Menschen aus der Lebensmittelbranche, der Gastronomie und der Landwirtschaft ermöglicht, ihr Wissen über das Ernährungssystem zu erweitern.

Slow Food engagiert sich in zahlreichen Projekten für den Schutz traditioneller und nachhaltiger Qualitätslebensmittel, für den Erhalt von Anbau- und Verarbeitungsmethoden und der biologischen Vielfalt von Kultur- und Wildpflanzen. Denn die Vielfalt der regionalen Tierrassen, Pflanzensorten und Lebensmittel garantiert die Vielfalt auf dem Teller.

Und, und, und …

Wenn Sie sich für Slow Food interessieren, den Einkaufsführer suchen, das Magazin abonnieren möchten oder auch selbst einem Convivium beitreten möchten, dann gehen Sie am besten einfach auf die Seite www.slowfood.de.

Vielleicht treffen wir uns dann auch mal bei einer der vielen interessanten Veranstaltungen.