Alle Jahre wieder wird den überschüssigen Speckröllchen nach der kalorienreichen Weihnachtszeit der Kampf angesagt. Waren vorher schon ein paar Röllchen zu Besuch, haben sie sich während der Festtage fleißig vermehrt und machen die Suche nach passenden Kleidungsstücken zu einer morgendlichen Qual. Also heißt es mal wieder: „Dringend Zeit für eine Diät“. Doch welche darf es dieses Mal sein? Wie jedes Jahr gibt es pünktlich zum Jahresbeginn zahlreiche neue Diäten, die sich gegenseitig in ihren Erfolgsversprechen zu toppen versuchen. Doch welche Diät hält tatsächlich ihr Versprechen und führt anschließend nicht zu dem befürchteten Jojo-Effekt, der alles nur noch schlimmer macht? Wir haben die aktuellsten Trend-Diäten genauer unter die Lupe genommen und möchten Ihnen eine Auswahl vorstellen. Aber natürlich nicht ohne unseren eigenen Senf dazuzugeben.

shredBuchDie Shred-Diät

Die Shred-Diät stammt aus den USA und verspricht einen Gewichtsverlust von 8-11 kg innerhalb von 6 Wochen. Um das zu erreichen, muss ein straffes Ernährungs- und Sportprogramm absolviert werden. Die Ernährungsregeln fordern unter anderem die Einnahme von sieben regelmäßigen Mahlzeiten im Abstand von maximal drei Stunden. Hunger sollten Sie bei dieser Diät daher nicht spüren, obwohl die täglich aufgenommene Kalorienmenge auf lediglich 1.300 kcal begrenzt ist. Zusätzlich zu dem strikten Ernährungsplan gibt es ein straffes Sportprogramm, das fünf 45-minütige Einheiten pro Woche vorsieht. Um die Umsetzung im Alltag zu erleichtern, gibt es im dazugehörigen Buch von Dr. Smith vorgefertigte Trainings- und Ernährungspläne inklusive Rezepten.

Im Bild: Cover des Buches „Shred“, erschienen im Graefe und Unzer Verlag

Die Shred-Diät aus Sicht einer Ernährungsexpertin

Die Shred-Diät ist für jeden geeignet, der sich gerne an genau vorgeschriebene Pläne hält und im Alltag die Zeit findet diese 1:1 umzusetzen. Um Einkauf, Vorbereitung der Mahlzeiten und Transport im Arbeitsalltag unter einen Hut zu bekommen muss man wohl fast schon ein Organisationstalent sein.  Außerdem muss der Job es erst mal zulassen alle drei Stunden eine Esspause einlegen zu können. Positiv an dieser Diät ist auf jeden Fall, dass die ausgewogenen Ernährungspläne und der regelmäßige Sport sicherstellen, dass der Stoffwechsel aktiv bleibt und die Gefahr eines Jojo-Effekts gering ist.

KetogeneKetogene Diät – die neueste Low-Carb-Diät

Low-Carb-Diäten sind ein absoluter Dauerbrenner und werden immer wieder neu erfunden bzw. neu betitelt. Bereits gut bekannt ist die Atkins-Diät, die South Beach Diät oder auch die Logi-Diät. Der neueste Trend im Low-Carb Bereich ist die Ketogene Diät, die wohl die extremste Form von low carb ist. Extrem, da nur 5% der aufgenommenen Energie aus Kohlenhydraten stammen darf. Bei einem Energiebedarf von ca. 2000 kcal wären das gerade mal 100 kcal und damit 25 g Kohlenhydrate. So viel steckt bereits in einer einzigen Banane. 35 % dürfen aus Eiweißen und ganze 60 % aus Fetten kommen. Damit ist die Ketogene Diät gleichzeitig eine High-Fat-Diät.

Im Bild. Das Buch „Ketogene Ernährung für Einsteiger“, von den Low Carb Masters, zu beziehen u.a. über Amazon

Die Idee hinter dieser Diät ist die Kohlenhydratzufuhr so weit einzuschränken, dass der Körper gezwungen ist ausschließlich Fette zur Energiegewinnung heranzuziehen. Denn hat unser Organismus die Wahl, würde er lieber Kohlenhydrate als Energielieferanten wählen und die Fettpölsterchen schön in Ruhe lassen. So aber wird der Fettstoffwechsel angekurbelt und den Speckröllchen der Kampf angesagt.

Um in diesen optimierten Fettverbrennungszustand – auch als Ketose bekannt –  zu kommen, muss auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel fast komplett verzichtet werden. Dazu zählen beispielsweise Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis oder Müsli aber auch Hülsenfrüchte, Knollen- und Wurzelgemüse (z.B. Karotten, Pastinaken, Kartoffeln), Obst, Süßigkeiten sowie die meisten Fertigprodukte. Kurz: alles was schmeckt.

Erlaubt sind Lebensmittel, die Eiweiß und Fett enthalten, wie beispielsweise Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Nüsse und Samen, kohlenhydratarmes Gemüse (z.B. grünes Gemüse, Tomaten, Zwiebeln), Avocado sowie gesunde Öle.

Die Ketogene Diät aus Sicht einer Ernährungsexpertin

Die stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl macht die Umsetzung der Ketogenen Diät im Alltag äußerst schwierig und ist aus meiner Sicht nur umsetzbar, wenn die Mahlzeiten genau vorgeplant werden. Was die Umsetzung noch erschwert ist, dass der Verzicht auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel sehr konsequent durchgezogen werden muss, da sonst der Lerneffekt des Fettstoffwechsels nicht einsetzt und die Ketose nicht erreicht wird. Ab und zu einen Cheat-Day oder eine Cheat-Mahlzeit einzulegen, ist nicht so einfach möglich.

Ein Vorteil dieser Ernährungsform ist, dass keine Kalorien gezählt werden müssen, da der konstant niedrige Insulinspiegel den Abbau von Körperfett fördert. Auch der Blutzuckerspiegel profitiert von dem niedrigen Insulinspiegel und bleibt relativ konstant, wodurch Hungerattacken und Müdigkeitsanfälle kein Thema sind.

Neben den positiven Auswirkungen auf das Körpergewicht, ist aus einigen Untersuchungen bekannt, dass die ketogene Ernährung sich positiv auf die Therapie von verschiedensten Krankheiten wie Diabetes, Migräne, Bluthochdruck oder auch Autoimmunerkrankungen auswirkt.

5:2 Diät

Ebenfalls stark im Trend ist die 5:2 Diät. 5:2 steht für 5 Tage schlemmen und 2 Tage fasten. Mit dieser Vorgehensweise verlieren Frauen angeblich 1/2 Kilo pro Woche und Männer sogar noch etwas mehr. An den Fastentagen ist die Kalorienaufnähme auf 500-600 kcal beschränkt. Optimalerweise werden während den Fastentagen Lebensmittel gegessen, die reich an Ballaststoffen und Eiweiß sind, da diese stark sättigen und das Fasten etwas erträglicher machen. Geeignet sind Gemüse, Fisch, Fleisch oder Hülsenfrüchte. Ob die Fastentage am Stück oder getrennt voneinander eingesetzt werden, ist einem dabei selbst überlassen.

An den 5 „Schlemmertagen“ ist die Kalorienaufnahme auf ca. 2000 kcal begrenzt. Das Wort „Schlemmern“ darf nicht verstanden werden im Sinne von „ich esse was und soviel ich möchte“, da das den Abnehmerfolg der Fastentage wieder zunichte macht. Viel eher sollte an diesen Tagen normal und ausgewogen gegessen werden.

5zu2Die 5:2 Diät aus Sicht einer Ernährungsexpertin

Durch die Fastentage lernt der Organismus wieder auf die eigenen Reserven zurückzugreifen, was zu einer Gewichtsreduktion führt, sofern an den „Schlemmertagen“ nicht übertrieben wird. Die 5:2 Diät lässt sich leicht in einen stressigen Alltag integrieren, da nur an zwei Tagen Kalorien gezählt werden müssen. Dadurch, dass die 5 Schlemmertage eine normale gesunde Ernährung forcieren, ist der Schritt zurück zu einer „ normalen“ Ernährung  nach der Diät ohne große Umstellung möglich und die Gefahr eines Jojo-Effekts sehr gering.

Im Bild: Buch „Die 5-:2 Diät für Berufstätige von Ralf Kabelitz, zu beziehen u.a. über Amazon

Mein Fazit zu den aktuellsten Diät-Trends: Sowohl die Shred- als auch die Ketogene Diät führt zu einer Gewichtsreduktion, jedoch sind beide relativ extrem und daher schwer in einen stressigen Alltag zu integrieren. Die 5:2 Diät dagegen lässt sich auch mit vollem Terminkalender gut im Alltag umsetzen und ist eine Diät, die auch für Menschen geeignet ist, die sich nicht zu stark disziplinieren wollen. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass Diäten grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind, da im Anschluss immer die Gefahr besteht in alte Essgewohnheiten zurückzufallen, die meist ursächlich für die Gewichtszunahme waren. Wollen Sie lieber einen etwas langwierigeren aber dafür nachhaltigeren Abnehmweg gehen, empfehle ich Ihnen unseren Artikel „Raus aus dem Diätenwahnsinn“. Hier bekommen Sie wertvolle Tipps zu einer langfristigen Ernährungsumstellung, die sich gut in Ihren Alltag integrieren lässt.

Über die Autorin Christina Duvinage

Christina Fisch AutorChristina Duvinage studierte an der Universität Wien Ernährungswissenschaften und an der TU München Ernährung und Biomedizin. Bereits während des Studiums bildete sie sich im Bereich Fitnesstraining mit dem Schwerpunkt funktionelles Training fort, um Ihre Kunden ganzheitlich betreuen und beraten zu können. Im Anschluss an das Masterstudium begann Christina als Fitnesstrainerin und Ernährungsberaterin im Premium Fitness und Wellness Studio ELEMENTS in München zu arbeiten. Zusätzlich machte sie sich als Personal Trainerin und Ernährungsberaterin mit den Schwerpunkten Gewichtsmanagement und ernährungsbedingte Krankheiten selbstständig (https://christinaduvinage.com/). Für Christina ist es sehr wichtig sich Zeit zu nehmen für gesunde Ernährung und Sport. Dass sie im Arbeitsalltag das machen kann was ihr auch privat viel Spaß macht und anderen Menschen damit helfen zu können bedeutet für sie absolutes Glück.

Bildquelle Titelbild: Africa Studio /shutterstock